Jedes Tarot-Deck ist eine Landkarte der menschlichen Psyche. Doch während die meisten historischen und modernen Decks in dekorativer Symbolik verharren, bricht dieses Werk die Bildsprache auf ihre archetypische und skulpturierte Ur-Essenz herunter. Es ist kein Orakel für den schnellen Trost, sondern ein archaischer Spiegel – tief verwurzelt in der alchemistischen Formel Solve et Coagula.
Hier greifen zwei Strömungen ineinander: Aleister Crowleys Book of Thoth, das die alten Dogmen sprengte, und die unerbittliche, tiefenpsychologische Sezierung von C.F. Frey (Akron). Akron hat gezeigt, dass die Schwelle zu neuen Bewusstseinsräumen keine spirituelle Kuschelecke ist, sondern eine kompromisslose Nachtmeerfahrt durch die eigenen Abgründe verlangt: Die Konfrontation mit dem Schatten, die Zerstörung des bequemen Egos und die Integration der verdrängten Urkräfte.
Dieses Archiv dokumentiert ein 78-teiliges Tarot-Objektset – von den dreidimensionalen Major-Arcana-Skulpturen über farbige Plexiglas-Hofkarten bis hin zu den schwarz-weißen Minor-Objekten. Es ist der Versuch, flüchtige magische Zustände in dauerhafte, greifbare Materie zu gießen: eine plastische Synthese.
Wenn die Filter des Alltags weichen und die Struktur auf das Notwendigste reduziert ist, geschieht das Eigentliche jenseits von Worten und Deutungsschablonen: